‘LIEFDESGEDICHT’ Debora Vogel

 

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Je bent stil en langzaam
zoals een heel lang vlot
dat geurige dennen vervoert
van een berg in blauwe nevelen
naar een verre stad met lantarens

door dagen met gele zonnen
door dagen met grauwe hemelen.

Je bent droevig als een vlot
stil en treurig zoals het geluk.

Met jou zullen jaren vergaan
wie gedenkt de verloren jaren…

Aus dem Jiddischen von Anna Maja Misiak.
Debora Vogel (1900 Schtetl Bursztyn – 1942 ghetto Lviv -Lemberg-)
Debora Vogel: „Die Geometrie des Verzichts“. Gedichte, Montagen, Essays, Briefe. Aus dem Jiddischen und Polnischen übersetzt und herausgegeben von Anna Maja Misiak. Arco Verlag, Wuppertal 2016. 671 S., geb., 32,– €.

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Ihr merkwürdiges „Liebesgedicht“ plazierte Vogel im trüben „Trinklieder“-Zyklus, der zwischen den Zyklen „Schneiderpuppen“ und „Schundballaden“ das Herzstück ihres zweiten Lyrikbandes „manekinen. lider“ (Schneiderpuppen. Gedichte, jiddisch 1934) bildet. Dem Gedicht folgen zwei sehr persönliche Texte: In „Matzewa-Inschrift“ fragt die Dichterin im Gedenken an ihre geliebte, früh verstorbene Cousine nach dem Sinn des Lebens, in „Schuhen“ verarbeitet sie die Trauer über den Tod ihres Vaters. In diesem Kontext erinnert das Bild vom stillen und langsamen Floß mit frischgefällten Tannen an Klagelieder und Totengesänge, in denen Tannen als Symbol für Treue, Ernst des Lebens und Wiedergeburt ein häufiges Motiv waren, auch daran, dass Tannenholz in polnischen Berggebieten das bevorzugte Baumaterial für Särge war. (Frankfürter Alg. Zeitung)

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Het beeld van de lange met hout geladen vlotten die zich door de stroming van de rivier van de nevelige berglandschappen naar die verre nachtelijke steden laten drijven, straalt een diepe rust uit.
Om de gekapte dennen van de Karpaten naar Danzig te transporteren construeerden de begeleiders in de dertiger jaren tot zeventig meter lange houtconstructies waarop ze weken met elkaar doorbrachten.

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Debora Vogel: „Liebesgedicht“

Du bist leise und langsam
wie ein sehr langes Floß
das duftende Tannen führt
von einem Berg mit blauen Nebeln
in eine ferne Stadt mit Laternen

durch Tage mit gelben Sonnen
durch Tage mit grauen Himmeln.

Du bist traurig wie ein Floß
still und traurig wie das Glück.

Mit dir werden Jahre vergehen
wer gedenkt der verlorenen Jahre…

(Aus dem Jiddischen von Anna Maja Misiak)

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libe-lid

du bizt shtil un langzam
vi a zeyer lange tratve
vos firt shmekndike yodles
fun a barg mit bloe neplen
in a shot a vayter mit lamterns

iber teg mit gele zunen
iber teg mit groe himlen.

du bist troyerik vi a tratve
shtil un troyerik vi dos glik.

mit vir veln yorn fargeyn
ver gedenkt di farloyrene yorn…

joods museum lviv